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Herausforderung. Grosse Herausforderung. Die grösste Herausforderung.

„Welches ist deine grösste Herausforderung als Mutter?“, fragte Daniela Strube beim Aufruf zu ihrer Blogparade. Sie hat mich darum gebeten, auch einen Artikel zu ihrer Blogparade beisteuern. Meine Antwort: Ich bin keine Mama. Ihre Reaktion: Das heisst nicht, dass die Beiträge von Müttern verfasst sein müssen. Auf geht’s!

Ich habe mir lange überlegt, was wohl deine grösste Herausforderung als Sportlermama ist. Was für dich eine Herausforderung darstellt, löst bei deiner Kollegin nicht einmal ein Schulterzucken aus.

Wenn ich Mütter in Trainings und bei Wettkämpfen beobachte, gibt es zwei Dinge, die mir immer wieder auffallen:

Wie sie mit ihren Kindern mit leiden (nicht zu verwechseln mit „Mitleid haben“) und wie häufig eine „hässige“ Antwort das Resultat auf eine ihrer Fragen ist.

Wie kommt das?

Du meinst es ja nur gut. Und dennoch meisterst du diese Herausforderung nicht so, wie du dir das insgeheim wünschst. Nach einer „hässigen“ Reaktion von deinem Kind fühlst du dich schlecht, verletzt und du stellst dich selbst in Frage. Sogar der Trainer lehnt dich ab und wünscht keinen engen Kontakt mit dir.

Das kann es doch nicht sein! Doch, das kann es.

„Bin ich denn nur der Bimbo?“  Hast du dir diese Frage auch schon gestellt? Ich wäre sehr überrascht, wenn nicht.

Supermama

Du machst alles, was in deiner Macht steht, dass du deinem Kind optimale Rahmenbedingungen für seinen Sport bieten kannst.

  • Du kochst zu den unmöglichsten Zeiten.
  • Du hast den 24-h-Fahrdienst voll im Griff.
  • Du unterstützt bei Hausaufgaben.
  • Du behandelst Wehwehchen.
  • Du machst Mut.
  • Du baust auf.
  • Du tröstest.
  • Du organisierst das Familienleben um die Sportlerkarriere deines Kindes.
  • Und noch vieles mehr.

Und was ist der Dank dafür?

Dein Kind findet dich peinlich und distanziert sich auswärts von dir. Insbesondere bei Teenies ist das keine Seltenheit.

Das kommt dir bekannt vor?

Wessen Bedürfnisse?

Sportlermamas erzählen mir ab und an, dass sie die Bedürfnisse ihrer Kinder sehr gut kennen und genau wissen, was sie brauchen.

Echt? Wie kommt es dann, dass dies im Training und im Wettkampf von den Athleten und Trainern anders wahrgenommen wird? Deren Wahrnehmung geht oft in eine andere Richtung. Meine auch.

Genau da sehe ich die grösste Herausforderung für Sportlermamas.

Mir blutet immer das Herz, wenn Sportlermama und Athletin nach einem „unschönen Aufeinandertreffen“ eingeschnappt sind und sich beide unverstanden fühlen.

Als Mama meinst du es nur gut. Du möchtest schliesslich nur das Beste für dein Kind.

Das Beste aus deiner Sicht muss jedoch nicht das Beste aus der Sicht deines Kindes sein.

In diesen Situationen darfst du dir gerne die folgenden Fragen stellen:

Stehen gerade meine Bedürfnisse im Vordergrund? Projiziere ich meine Wünsche und Träume auf mein Kind?

Grosse Verantwortung

Die Verantwortung, die du trägst, ist RIESIG! Du möchtest dein Kind fördern und fordern, damit ihm alle Türen und Tore in der Sportwelt offenstehen.

Zwischen Fordern und Überfordern liegt oft nur wenig. Das kann zu einem Gang auf Messers Schneide werden. Wann darfst du zum Beispiel bei Unlust fordern und wann ist die Unlust ein Alarmzeichen und als Protest zu verstehen?

Vor allem, wenn du emotional involviert bist, sind das schwierige Entscheidungen. Pushst du oder lässt du dein Kind für einmal gewähren?

Bist du in solchen Situationen enttäuscht, weil du dir mehr von deinem Kind erhofft hast? Schliesslich hast du viel investiert. Das soll ja nicht vergebens sein!

Es ist völlig egal, wie viel du schon investiert hast.

Dein Investment darf nie ein Kriterium für eine Massregelung, eine Entscheidung und schon gar kein Grund für eine Enttäuschung deinerseits sein.

Es steht dir nicht zu, deinem Kind ein schlechtes Gewissen zu machen.

Dein Verstand weiss das sehr gut, nur meldet dein Unbewusstes andere Bedürfnisse an. Das Dilemma ist perfekt. Deshalb brauchst du das Unbewusste im Boot!

Das Wohlbefinden und die Bedürfnisse deiner Athletin stehen immer im Vordergrund, wenn es um ihre sportlichen Aktivitäten geht.

Aber …

Du darfst dir durchaus das Recht herausnehmen, etwas für dich zu tun, und auch einmal deine Bedürfnisse in den Vordergrund stellen.

In dieser Hinsicht gibt es jedoch ein absolutes No-Go: deine unerfüllten Träume durch dein Kind zu leben! Selbst wenn es dein grosser Wunsch ist. Ich bin mir sicher, du hast noch andere Wünsche, die du gerne verwirklichen möchtest.

Als Mama darfst du auch ab und an egoistisch sein und deinen Weg gehen! Damit machst du dich noch nicht zur Rabenmutter. Wenn es dir gut geht, kannst du deine Familie und deine Sportlerkids gelassen unterstützen.

Wessen Verantwortung?

Viele Sportlermamas sind sich nicht ganz klar darüber, wofür sie eigentlich verantwortlich sind.

Die Profi-Golferin Nora Angehrn hat während ihrer Trainerausbildung einen Teil ihrer Diplomarbeit dem Thema „Eltern“ gewidmet. Daraus ist die Broschüre „Beste Golf-Eltern“ entstanden. In dieser beschreibt sie die Verantwortlichkeiten für Eltern sehr schön.

Dafür bist du verantwortlich

  • Moralische Unterstützung
  • Finanzielle Unterstützung
  • Geborgenheit
  • Sport als Teil des Familienlebens
  • Transporte, Organisatorisches
  • Passende Ausrüstung und Kleidung
  • Medizinische Betreuung
  • Ernährung

Das ist eine ganze Menge. Abhängig von der Sportart wird die Liste noch länger.

Dafür ist dein Sportlerkind verantwortlich

  • Seine sportlichen Ziele
  • Freude am Sport
  • Engagement und Leistungsbereitschaft im Training und an Wettkämpfen
  • Respekt und Fairplay
  • Trainings- und Wettkampfplanung (mit dem Trainer)
  • Seine Fitness
  • Sportmaterial pflegen
  • Dankbarkeit gegenüber Eltern, Trainern und Lehrern

„Man darf niemandem seine Verantwortung abnehmen, aber man soll jedem helfen, seine Verantwortung zu tragen.“ – Heinrich Wolfgang Seidel

Hilf deinem Sportlerkind, seine Verantwortung zu tragen, und nimm deine Verantwortung wahr.

Fazit

Deine Aufgabe ist nicht einfach und auch nicht immer mit Freude verbunden.

Du trägst eine grosse Verantwortung und meisterst in deinem Alltag grosse Herausforderungen. Davor ziehe ich den Hut.

Schaffe deinem Sportlerkind Rahmenbedingungen, dass es selber entscheiden, Erfahrungen sammeln und hoch fliegen kann. Und tue auch dir ab und an etwas Gutes. Das steht dir zu!

Welches war bisher deine grösste Herausforderung als Sportlermama?

Ich freue mich, wenn du mir diese als Kommentar hinterlässt oder mir eine E-Mail schreibst.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.
PPS: Jeder darf seinen eigenen Weg gehen.