Seite wählen

Es sollen nicht die Kinder den (Sportler-)Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern den Kindern.

Regt dich das zum Nachdenken an? Ja, dann habe ich mein Ziel erreicht. 😉

Definierst du deinen Wert darüber, wie viele Schätze und Trophäen deine Kinder für dich gesammelt haben oder sammelst du schon Schätze für deine Kinder?

Ich stelle meine Lauscher immer wieder auf, wenn Eltern die Erfolge ihrer Schützlinge in den Vordergrund stellen. Mit Stolz wird dann erzählt, wie viele Trophäen dein Kind schon gesammelt hat und wie viele es noch werden sollen. „Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele“, erzählte mir ein stolzer Vater.

Als ich die Tochter nach ihrem Ziel fragte, habe ich eine andere Antwort bekommen.

„Ich möchte mit meinen Team-Kolleginnen Spass haben und technisch so perfekt wie möglich laufen. Und es wäre toll, wenn ich einmal bei einer Junioren-WM starten könnte.“

Im Eifer

Sportlereltern vergessen in ihrem Eifer gerne einmal, dass ihre Agenda von der ihrer Kinder abweichen kann.

Das kannst du gut beobachten, wenn die Jugendlichen vor dem Wettkampf mit Tipps und guten Ratschlägen eingedeckt werden. Diese Form von Wettkampfvorbereitung führt in den seltensten Fällen zum Ziel. Meistens ist sie kontraproduktiv.

Interessant ist auch die Tatsache, dass viele junge Athletinnen und Athleten bessere Leistungen bringen, wenn ihre Eltern nicht anwesend sind. Wie ist das bei deinem Kind?

The miracle of children is that we just don’t know how they will change or who they will become. –  Eileen Kennedy-Moor

Gelassen in den Wettkampf

Als Sportlermama oder -papa bist du vor einem Wettkampf deiner Tochter oft nervöser und angespannter sie selbst. Damit du deine Anspannung loswerden kannst, versuchst du, deiner Tochter noch gute Tipps zu geben. Dabei geht es um dich, nicht um sie. Erkennst du den Unterschied? 😉

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Tipps nicht gewünscht sind. Wenn Mama oder Papa sagen, wie man einen Wettkampf angehen sollte, was man tun und lassen sollte und wen man plattmachen muss … ist das nur nervig. Und vor allem sehr theoretisch. Also lass es besser sein.

Junge Athleten wissen sehr gut, was sie brauchen und was sie zu tun haben. Sie haben ihre Ziele und ihre Ansprüche. Wenn sie nicht weiterkommen und Unterstützung brauchen, dann steht ihnen ihr Trainer zur Seite. Das ist sein Job, nicht deiner.

Du kannst dich vor und während dem Wettkampf ohne schlechtes Gewissen zurücknehmen. Vertraue deiner Tochter und nimm dir bitte folgende Tipps zu Herzen.

1. Zeig ihr, dass du sie gerne hast, egal was passiert

Zeige deiner Tochter, dass du sie liebst. Unabhängig von ihrer sportlichen Leistung. Damit meine ich nicht, dass du es ihr einfach sagst. Entscheidend ist, dass es von Herzen kommt. Wenn deine unbewussten Signale etwas anderes senden als das, was du sagst, bist du wenig glaubwürdig.

2. Befreie dich von deiner Erwartungshaltung

Projizierst du deine Erwartungshaltung auf deine Tochter, kann es sein, dass sie diese unbewusst übernimmt. Das ist weder für ihre Leistung noch für ihre Entwicklung förderlich. Sie darf nur mit ihren eigenen Erwartungen in den Wettkampf gehen.

3. Lass sie in Frieden

Vor dem Wettkampf gibt es keinen Bedarf für Coaching durch die Eltern. Lass sie vor dem Wettkampf in Frieden und ihr Ding tun. Sie weiss am besten, was sie braucht. Damit gibst du ihr die Möglichkeit, den Wettkampf mit einem freien Kopf in Angriff zu nehmen. Sie wird sich selbst genug Druck machen. Da braucht es deinen nicht noch dazu.

4. Bestärke sie

Unterstütze deine Tochter dabei, dass sie sich gut fühlt. Wenn sie dein Vertrauen spürt, fühlt sie sich bestärkt. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstsicherheit. Wie fühlst du dich, wenn jemand an dich glaubt und dich bestärkt in dem, was du tust? Das ist ein super Gefühl! Nicht?

5. Sei ein Vorbild

Fairplay und sportliches Verhalten gegenüber Konkurrentinnen und deren Umfeld sollte auch von dir gelebt werden. Es wird immer wieder passieren, dass andere besser sind als deine Tochter. Schätze die Leistung ihrer Konkurrentin und zeige ehrliche Anerkennung. Dann kann sie es auch.

6. Kontrolliere deine Emotionen

Das meine ich so: Logisch darfst du Emotionen zeigen, nur … Wenn du schon vor dem Wettkampf hypernervös bist und dir die Angst und Nervosität ins Gesicht geschrieben steht, wird es für deine Tochter schwierig sein, cool zu bleiben.

Nach einem misslungenen Wettkampf darfst du deine Enttäuschung für dich behalten. Deine Erwartungen haben wenig mit den Erwartungen deiner Tochter zu tun. Gut möglich, dass es für sie ganz o.k. war.

Bestärke sie nach einem Misserfolg und baue sie wieder auf.

7. Lass deine guten Tipps zu Hause

Gut gemeinte Tipps zu Technik und Wettkampfstrategie sind in den meisten Fällen kontraproduktiv. Für Technik und Wettkampfstrategie sind der Trainer und deine Tochter selbst zuständig. Er kennt sie gut, weiss, wann er sie wie unterstützen muss und wann er besser seinen Schnabel hält.

8. Bereite dich mental vor und antizipiere

Ja, du hast richtig gehört. Bereite dich mental auf den Wettkampf deiner Tochter vor. Überlege dir, wie du auf ein negatives (oder ein herausragendes) Ergebnis reagierst.

Wenn du nach einem Misserfolg (wie war das noch einmal mit deinen Erwartungen?) deiner Tochter wie ein geschlagener Hund und sichtbar enttäuscht herumläufst, tust du damit niemandem einen Gefallen. Am wenigsten deiner Tochter.

Überlege dir, mit welcher positiven Reaktion du einen Unterschied machen kannst. Zeige ihr nach einer Niederlage, dass du sie gerne hast. Sie weiss selber, dass sie es verbockt hat, und braucht deinen Frust in diesem Moment nicht zu spüren.

Was meinst du? Bekommst du das hin?

Fazit

Wenn du dir diese Tipps zu Herzen nimmst, dann kannst du nur gewinnen.

Unterstütze deine Tochter auf ihrem Weg mit deinen Möglichkeiten. Sei für sie da, wenn sie dich braucht. Damit bist du der grösste Schatz für sie.

Ich wünsche dir gutes Gelingen und tolle Erlebnisse mit deiner Tochter.

Wo ist es dir auf dem Wettkampfplatz schon gelungen, ein grosser Schatz zu sein?

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass Sportler, die sich wohl fühlen, bessere Leistungen bringen.

PPS: Und dass gelassene Eltern einen Unterschied machen.