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Kennst du das? Du stehst am Start einer Meisterschaft und denkst darüber nach, wie du deine Wende am besten schwimmst oder den Anlauf am besten gestaltest. Selbst im Wettkampf bist du mit deinem Kopf dabei, damit du ja nichts falsch machst.

Du hast schon in der Vorbereitung nichts dem Zufall überlassen.

Dein Trainer macht dich vor dem Start noch auf alles aufmerksam, auf das du achten solltest.

Herzlichen Glückwunsch! Du hast den Wettkampf verloren, bevor er losgegangen ist.

Ja, das meine ich ernst.

Du hast viel trainiert. Deine Bewegungen x-mal wiederholt, damit sie zu Automatismen werden. Und dann funkst du mit dem Verstand dazwischen.

Wenn du denkst, dann hast du verloren!

Der Denker

Valentin ist ein Denker, der nichts dem Zufall überlässt. Seine Trainingskollegen beneiden ihn für sein Durchhaltevermögen. Hat er sich einmal auf etwas eingeschossen, kann ihn niemand mehr davon abbringen. Da, wo andere schon aufgeben, bleibt er am Ball. Er zieht auch die letzte Serie im Intervalltraining konsequent durch und achtet dabei immer genau (so gut es eben geht, wenn alles brennt) auf seine Bewegungsausführung. In seiner Freizeit liest er auch Bücher über Trainingslehre.

Durch seine ausgeklügelte Planung kann er den Sport- und Schulalltag sehr gut bewältigen.

In der Gruppe fällt Valentin nicht besonders auf. Er ist mehr der Beobachter und betrachtet Situationen meistens von aussen. Bevor er sich zu etwas äussert, denkt er lieber zwei Mal nach. Belangloser Smalltalk und Sprücheklopfen gehören definitiv nicht zu seinem Repertoire. Es sei denn, er hat es vorher einstudiert. 😉

Im Wettkampf ist Valentin sehr stark kopfgesteuert. Während dem Wettkampf denkt er an die technische Anweisung aus dem letzten Training und versucht, diese 1:1 umzusetzen.

Dass er sich genau damit selber im Wege steht, hat er noch nicht verstanden.

Seine Kollegen haben ihm schon mehr als einmal gesagt: „Mach dich locker und sei spontan.“ Dabei hat er seine Teamkollegen doch genau wegen seiner überlegten Art auch schon vor Dummheiten bewahrt.

Insgeheim wünscht sich Valentin schon ein wenig mehr Lockerheit und Flexibilität im Wettkampf. Er wäre gerne so spontan wie seine überaus beliebte Freundin Laura. Die Wettkämpfe gelingen ihr meistens sehr gut – obwohl er das Gefühl hat, dass sie im Training immer ein wenig schlampig unterwegs ist.

Er hat ihr im Frust auch schon gesagt: „Es kann doch nicht sein, dass du mit deiner laschen Trainingseinstellung so gute Wettkämpfe ablieferst.“

Die Fröhliche

Laura ist das krasse Gegenteil von Valentin. Mit ihrer fröhlichen, aufgestellten Art und ihren spontanen Einfällen bringt sie ihre Teamkolleginnen immer wieder zum Schmunzeln. Gerne mimt sie den Pausenclown. Sie ist ein richtiger Sonnenschein, der kaum übersehen werden kann.

Das Herz trägt sie auf der Zunge. Dadurch tritt sie auch immer wieder in Fettnäpfchen. Laura ist vor allem eins: begeisterungsfähig. Wenn ihr etwas gut gefällt und sie sich dafür begeistern kann, ist sie nicht mehr zu bremsen. Dann geht es rund … und sie ist Feuer und Flamme. Manchmal ist sie auch ein wenig voreilig. Da, wo Valentin noch überlegt, macht sie sich schon auf den Weg.

Durchhaltevermögen? Fehlanzeige! So lange es einfach von der Hand geht, ist sie mit Begeisterung dabei. Ein ungeliebtes (Intervall-)Training kann sie aber auch schon mal vorzeitig abbrechen und sich Angenehmerem widmen.

Laura macht sich beim Wettkampf keinen Kopf. Sie geht an den Start und lässt es krachen. Dabei verlässt sie sich ganz intuitiv auf ihre Automatismen. Manchmal blödelt sie vor dem Wettkampf noch herum, was nicht immer alle toll finden.

Wenn es für sie im Wettkampf supergut läuft, dann kann sie auch euphorisch werden. Das hat sie schon die eine oder andere Top-Platzierung gekostet.

Manchmal denkt sie: „Hätte ich doch nur die Disziplin und das Durchhaltevermögen von Valentin, dann würde mir manches einfacher fallen. Vor allem würde ich mich dann besser entwickeln.“

Wie du unschwer feststellen kannst, sind Laura und Valentin unterschiedliche Persönlichkeiten. Beide haben sie ihre Stärken und Schwächen, die sehr stark stimmungabhängig sind.

Entscheidend ist also nicht nur, was du für ein Typ bist, sondern wie du in der Lage bist, deine Stimmung zu regulieren. Wenn du das gut kannst, schaffst du dir einen Wettbewerbsvorteil.

Trainieren und lernen

Mit seiner nüchternen und sachlichen Stimmung kann Valentin hervorragend planen. Dabei verliert er sein grosses Ziel, eine Olympia-Teilnahme, nicht aus den Augen. Er weiss sehr wohl, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist und er Schritt für Schritt gehen muss. Sein Durchhaltevermögen hilft ihm, die richtigen Dinge zu tun, ohne vom Weg abzukommen, wenn einmal Probleme oder Hindernisse auftauchen.

Im Trainingsalltag ist eine nüchterne, sachliche Stimmung sehr hilfreich. In dieser Stimmung wird dein Verstand aktiviert, mit dem du am besten denken und planen kannst. Du kannst bewusst gefasste Ziele (Absichten) aufrechterhalten und Durststrecken überwinden, bis die Zeit reif ist, dein Ziel in die Tat umzusetzen.

Valentin ist in dieser Hinsicht schon sehr weit fortgeschritten. Für die Wettkämpfe hilft ihm das leider nicht. Damit er sein Potenzial im Wettkampf ausschöpfen kann, darf er sich keinen Kopf machen.

Er sollte den Wettkampf lockerer und mit einer freudigen, positiven Stimmung in Angriff nehmen. Dann wird er intuitiv das Richtige tun und unbewusst seine (gelernten) Handlungsroutinen nutzen können.

Valentin muss also lernen, im Wettkampf in eine positive, freudige Stimmung zu kommen.

Handeln und gewinnen

Laura liebt die Wettkämpfe und fühlt sich dabei wohl und sicher. Dort kann sie zeigen, was sie kann, und sich voll auf ihre Automatismen verlassen. Sie hat den Dreh raus! Zudem macht es ihr Spass, mit so vielen coolen Leuten am gleichen Ort zu sein.

Die positive, freudige Stimmung führt dazu, dass sie im Wettkampf ganz intuitiv auf ihre Handlungsroutinen zurückgreift. Laura kann ihr aktuelles Leistungsvermögen im Wettkampf voll ausschöpfen. Ihre Wettkampfleistung entspricht dem, was sie im Training zeigt. In vielen Fällen übertrifft sie sogar ihre Trainingsleistungen.

Du brauchst im Wettkampf eine positive und freudige Stimmung. In dieser Stimmung kannst du sämtliche gelernten Verhaltensroutinen (z.B. Bewegungsmuster) automatisch abrufen, ohne dass du darüber nachdenken musst. Dann läuft alles wie von alleine.

Die von Valentin angeprangerte Trainingseinstellung macht sich bei Laura in den Wettkämpfen negativ bemerkbar. Sie könnte viel mehr, wenn sie im Training konsequenter arbeiten und nicht gleich bei der ersten Schwierigkeit den Ausgang suchen würde.

Dazu sollte sie lernen, ihre positive Stimmung (situativ) herunterzuregulieren, ihren Verstand mehr einzusetzen und auch einmal auf eine kurzfristige Belohnung zu verzichten. Dann wird auch sie sich entwickeln und ihre Ziele konsequent(er) verfolgen.

Laura muss also lernen, ihre positive Stimmung im Training herunterzuregulieren.

Wo ist der Fokus?

Deine Stimmung hat einen Einfluss auf dein Verhalten und deine Leistung!

Wir alle haben bevorzugte Stimmungslagen, in denen wir uns bewegen. Das gehört zur unserer Persönlichkeit. Ein Top-Athlet ist jedoch in der Lage, seine Stimmung situativ mit einem guten Selbstmanagement zu regulieren. Dadurch kann er jede Aufgabe mit Erfolg meistern.

Training

Das Training ist dazu da, dich zu verbessern und zu lernen. Bewegungen werden x-mal wiederholt, bis sie sitzen. Dazu braucht es deinen Verstand und die entsprechende Aufmerksamkeit auf die Bewegungsausführung. Auch in Trainingswettkämpfen darfst du den Fokus auf die Bewegungsausführung, in neu gelernte Elemente oder taktische Experimente legen.

Trainings und Trainingswettkämpfe sind zum Lernen da! Die Zeit oder die Punktzahl hat in dem Moment keine Bedeutung.

Wettkampf

Der Wettkampf hat nur ein Ziel: Dein volles Leistungspotenzial abzurufen und es krachen zu lassen.

Trainieren und denken musst du jetzt nicht mehr. Jetzt zählt nur noch das, was du jetzt in dem Moment kannst. Denn es ist das Beste, was du hast! Vertraue darauf.

Dein Unbewusstes macht keine Fehler – solange dein Verstand nicht dazwischenfunkt!

Ich erlebe immer wieder Athleten, die bei Meisterschaften angestrengt nachdenken, was sie jetzt wie tun müssen, oder Trainer, die ihre Athleten mit detaillierten Anweisungen in eine „leistungsfeindliche“ Stimmung bringen. Das muss nicht sein.

Verbessern oder handeln?

Möchtest du dich verbessern (improve) oder handeln (act)?

Das ist die entscheidende Frage. Danach richtet sich dein Fokus.

Immer dann, wenn du dich verbessern möchtest, dann nutzt du deinen Verstand. In dem Moment darfst du auch im Wettkampf denken und den Fokus bewusst auf die Bewegungsausführung legen. Schliesslich möchtest du dich langfristig verbessern, das Ergebnis spielt keine Rolle.

Wenn du an einer Meisterschaft oder an einem Qualifikationswettkampf bist, dann zählt nur die Leistung. Denken musst du jetzt nicht mehr. Du verlässt dich auf das, was du jetzt in diesem Moment kannst – deine Automatismen helfen dir dabei.

Meine Athleten nutzen dazu einen einfache Methode, um sich das bewusst zu machen: einen Pokerchip. Auf der einen Seite des Chips steht „improve“, auf der anderen Seite „act“. So ruft der Chip in Erinnerung, was gerade im Fokus steht – verbessern oder handeln. Die Idee mit dem Pokerchip, habe ich von der Nachwuchstrainerin und PGA Golf Profi Nora Anghern geklaut.

Das kannst du als Athlet/Trainer auch gut mit einer Karte oder einem selbst gemachten Holzchip (gibt es in jeder „Bastelabteilung“) einfach umsetzen. Damit führst du dir den Fokus für die bevorstehende Aufgabe immer wieder vor Augen.

Fazit

Im Wettkampf hast du keine Zeit zum Denken!

Denke und verbessere dich im Training. Handle und verlasse dich im Wettkampf auf deine Automatismen und gewinne.

Wenn du deine bevorzugten Stimmungen und deine handlungsleitenden Motive kennst, kannst du sie gezielt regulieren, um dich voll aufs „Verbessern“ oder aufs „Gewinnen“ einzustellen.

Dafür mache ich mit dir den Sportmotivtest: Damit kommen wir deiner Persönlichkeit und deinen Stärken auf die Spur. Möchtest du dich einen Schritt weiterentwickeln und dein volles Potenzial nutzen?

Dann melde dich einfach bei mir.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.
PPS: Ein tolles Buch zu diesem Thema ist „Die Kraft aus dem Selbst“ von Julius Kuhl und Maja Storch”*.

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