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Mit einem Hüpfer überquerte Daniela Ryf die Ziellinie in Bahrain. Damit hatte sie nach ihrem grandiosen Sieg beim Ironman Hawaii auch das letzte Rennen der Triple-Crown-Serie von Scheich Nasser Al Khalifa für sich entschieden.

2015 stand sie nach jedem Rennen als strahlende Siegerin zuoberst auf dem Podest. Als „Tüpfli uf em i“ wurde Daniela am Sonntag zur Sportlerin des Jahres gekürt.

Nach ihrem Sieg in Bahrain habe ich in der Sonntagszeitung Folgendes gelesen:

„Mit Kurzarbeit holt sie eine Million Dollar“

Wenn du die 3:28h für den Ironman 70.3 in Bahrain – das letzte Rennen der Triple-Crown-Serie – als Referenz nimmst, mag das korrekt sein. Doch war das wirklich Kurzarbeit?

Wenn der Körper streikt

Nach ihrem 7. Rang beim Olympischen Triathlon in Peking wollte Daniela Ryf bei den Olympischen Spielen in London mehr. Eine Medaille war das erklärte Ziel.

Doch manchmal kommt es anders, als man denkt.

Im November 2011 stand Daniela Ryf an einem Scheideweg. Eine Darmkrankheit hat sie weit zurückgeworfen. Es hat sehr lange gedauert, bis sie überhaupt wusste, was das Übel war. Zu diesem Zeitpunkt war sie so stark geschwächt, dass es fraglich war, ob sie ihr Weltklasseniveau je wieder erreichen wird.

Nach einem beschwerlichen Weg mit Krankheiten und viel Frust verpasste sie die direkte Olympiaqualifikation für London. Dennoch wurde sie – nicht unumstritten – als Helferin für Nicola Spirig nominiert.

Nicola Spirig zeigte das Rennen ihres Lebens und hat in einem packenden Fotofinish den Olympiasieg errungen. Und wo war Daniela Ryf? Sie erreichte das Ziel unter „ferner liefen“. Ein Rennen zum Abhaken.

Weil sie nach den Olympischen Spielen den Spass am Triathlon verloren hatte, war sie kurz davor aufzugeben. Beinahe hätte sie den Triathlon-Anzug an den Nagel gehängt.

Zum Glück hat sie das nicht getan und Stehaufmännchen-Qualitäten gezeigt.

Der Weg zurück

Der Start bei ein paar Triathlon-Wettkämpfen mit Windschattenverbot hat ihr den Spass und die Freude am Triathlon wieder zurückgebracht.

Durch Nicola Spirig kam sie in Kontakt mit Brett Sutton, der seit 2014 auch ihr Trainer ist. Mit ihm schaffte sie die Wende. Offensichtlich haben die beiden zusammen einen guten Weg gefunden, der Daniela zu einer Ausnahmeathletin auf der Ironman-Distanz machte. Krankheiten und Verletzungen gab es seither nicht mehr.

Besonders beeindruckt hat mich das Ironman-Wochenende 2014 in Zürich. Am Samstag hat sie den Olympischen Triathlon als „Warm-up“ absolviert und gewonnen. Wie es Sonntag auf der Ironman-Distanz laufen würde, wusste sie selbst nicht. Sie durfte es als Training absolvieren und aufgeben, wenn es zu viel sein sollte.

Wieder kam es anders als gedacht. Sie gewann den Ironman Zürich auf eindrucksvolle Weise und zeigte, was in ihr steckt.

Ich glaube, da realisierte sie selbst, wie viel Potenzial sie für die Ironman-Distanz mitbringt.

2015 ist für sie zu einem grandiosen Jahr geworden. Der Sieg bei der Ironman-WM auf Hawaii war eine Demonstration ihres Könnens. Als wäre das nicht genug, krönte sich die Queen of Kona mit dem Sieg der Triple-Crow-Serie zur Queen of Triathlon.

Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Besonders auffällig

Wenn ich Interviews mit Daniela Ryf lese, gibt es eine Kleinigkeit, die mir immer wieder aufgefallen ist. Dir auch?

«Ich fokussiere mich aber nicht auf den Sieg, sondern drauf, was zu tun ist. Mein Ziel ist, meine Stärke auf dem Rad voll auszuspielen und den Marathon so schnell wie möglich zu laufen. Dann werden wir sehen, zu welchem Resultat das reichen wird.» (Nordwestschweiz)

«Mein Ziel ist es, das Optimum an Fitness und Technik aus mir herauszuholen. Ich will herausfinden, wo meine persönlichen Grenzen liegen.»(Bluewin)

«Der Fokus liegt auf schnell» (Fit for Life)

«Für mich lautet die Zielsetzung primär, meine bestmögliche Leistung abrufen und mein eigenes Rennen durchziehen zu können. Und wenn mir dies gelingt, ja klar, dann glaube ich, dass ich Hawaii gewinnen kann.» (Fit for Life)

«Mich interessiert es viel mehr, auf Hawaii ein noch besseres Rennen zu zeigen. Und eigentlich würde ich zu gern den Weltrekord über die Ironman-Distanz verbessern. Er stammt von meinem Vorbild, der Britin Chrissie Wellington.» (NZZ)

Das Leistungsmotiv kommt bei ihren Aussagen sehr dominant zum Tragen. Diese unbewusste Kraftquelle verleiht ihr immer wieder neue Motivation und Flügel. Beim letzten Punkt spielt vielleicht auch ihr Sponsor eine Rolle 😉

Der Schmerz als Freund

14 Jahre Training, abertausende Trainingsstunden und -kilometer im Wasser, zu Fuss und auf dem Rad.

Schmerzen, Rückschläge, Selbstzweifel, Neuorientierung und ein langer Weg zurück. Der Weg im Sport geht nicht geradlinig.

Eine gute Athletin wirst du nur durch Training, Training, Training und noch mehr Training. Der Weg ganz an die Spitze ist nur ein paar wenigen vorenthalten.

Mit Kurzarbeit eine Million abgrasen – Fehlanzeige.

Du hast ein Rezept erwartet, wie das geht?

Sorry – das Leben kann manchmal enttäuschend sein.

«Ich mache meinen Sport nicht des Geldes wegen. Das Geld holt mich morgens nicht aus dem Bett. Das ist nicht die Motivation. Ich will wie immer das perfekte Rennen zeigen. Das treibt mich an.» – Daniela Ryf (Blick)

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin