Seite wählen

Kennst du Roger Bannister?

Nein? Dann wird es höchste Zeit. Wenn es um Leistungssteigerung geht, kannst du viel von Roger Bannister lernen. Keine Angst, es geht nicht um den Missbrauch von verbotenen Substanzen.

Leider haben viele Athleten das Gefühl, das sei der einzige Weg, ihre Leistung zu steigern. Wenn du zu diesen Athleten gehörst, musst du hier nicht mehr weiterlesen.

Deine Leistungsgrenze kannst du auch auf eine andere Art verschieben und dich so verbessern.

Festgefahrene Meinung

Gehen wir zurück ins Jahr 1954. In dieser Zeit glaubte die Fachwelt, dass ein Läufer die Meile nicht unter 4 Minuten laufen kann.

Der 25-jährige britische Mittelstreckenläufer Roger Bannister scherte sich einen Deut darum, was die Fachwelt glaubte. Für ihn gab es diese mentale Leistungsgrenze nicht. Er stellte sich immer wieder vor, wie er die Meile unter 4 Minuten läuft.

Natürlich scheiterte er bei seinen ersten Versuchen, die 4-Minuten-Grenze zu durchbrechen, kläglich. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, es immer und immer wieder zu probieren.

Am 6. Mai 1954 – nach mehreren Jahren und gescheiterten Versuchen – erlebte er endlich seinen grossen Moment. Als er die Ziellinie auf der Leichtathletikanlage der Universität Oxford überquerte, blieb die Uhr bei 3:59,4 Minuten stehen. Weltrekord!

The man who can drive himself further once the effort gets painful is the man who will win. – Roger Bannister

Lange konnte er sich nicht über seinen Weltrekord freuen. Am 21. Juni 1954 wurde er vom 24-jährigen Australier John Landy überflügelt. Er profitierte von Roger Bannisters Leistungssteigerung und seinem Weltrekord, weil die limitierende Grenze durchbrochen war.

Seither haben eine Menge Leichtathleten die 4-Minuten-Marke unterboten.

Leistungsgrenzen

Jeder Athlet hat seine körperlichen Leistungsgrenzen. Aus einem 2-m-Mann wird nie ein Kunstturner und wenn dir die Schnellkraft fehlt, wirst du die 100 m nie in einer passablen Zeit zurücklegen. Um diese Leistungsgrenzen geht es in diesem Artikel nicht.

Es geht um die Grenzen, die bei dir eine Leistungssteigerung verhindern, und die nur im Kopf existieren.

Oft werden die Leistungsgrenzen schon im frühen Kindesalter durch deine Eltern oder dein Umfeld festgesetzt. So wie die Fachwelt meinte, man könne eine Meile nicht unter 4 Minuten zurücklegen.

Aussagen wie „Das kannst du sowieso nicht“, „Das macht man nicht“ oder „Das musst du gar nicht versuchen“ sind für die Entwicklung nicht sehr förderlich. Eine Leistungssteigerung, egal in welchem Bereich, wird dann sehr schwer.

Oder setzt du dir deine Grenzen gleich selber (das kenne ich von mir) und nimmst dich damit aus dem Rennen, bevor es überhaupt losgeht?

Schaust du dir die Rangliste an und sagst dir, mehr als der 10. Rang ist sowieso nicht möglich?

Manchmal existieren Grenzen, die dir noch gar nicht bewusst sind. Auch diese sind nicht förderlich für eine Leistungssteigerung und -entwicklung.

Knapp verfehlt

Es gibt Athleten, die immer nur fast gewinnen oder ihr Ziel immer knapp verfehlen, obwohl sie auf Kurs sind. Eine Leistungssteigerung schaffen sie kaum, selbst wenn sie es sich noch so sehr wünschen. Sie haben das Gefühl, alles zu tun, und verstehen nicht, warum es danebengeht.

Mir ging das eine Weile auch so, als ich es lange nicht schaffte, die 5000 m unter 7 Minuten zurückzulegen.

Meistens schwingt in diesen Fällen eine unbewusste Angst oder Blockade mit, die mit der Realität wenig zu tun hat. Oft auch deshalb, weil das Ziel ausserhalb unserer Komfortzone liegt.

Obere und untere Leistungsgrenze

Schau dir die folgende Grafik an. Was fällt dir auf?

Leistungsgrenze

Es gibt eine untere und eine obere Leistungsgrenze.

Die obere Leistungsgrenze definiert den Leistungsbereich, den du erreichen kannst, wenn du deine Möglichkeiten voll ausschöpfen kannst. Du wirst dich kaum beschweren, wenn deine Leistung besser ausfällt, als du das erwartet hast. Oder?

Und doch existiert eine obere Leistungsgrenze, die durch Ängste und Widerstände entsteht. Dann wird diese zum grossen Hindernis. Dein Unbewusstes sträubt sich dagegen, diese mentale Grenze zu überschreiten. Es schaltet dann einfach einen Gang zurück, damit du wieder in deinem gewohnten Bereich landest.

Von der unteren Leistungsgrenze spricht kaum jemand, obwohl diese genauso limitierend, wenn nicht noch limitierender sein kann. Diese wird dann erreicht, wenn du ein Resultat erzielst, das in deiner Wahrnehmung „unter deiner Würde“ liegt.

Du bist enttäuscht und kannst dich selbst nicht mehr akzeptieren, weil dein Ergebnis jenseits von Gut und Böse ist. Vielleicht bestrafst du sich sogar selber. Du wirst von einem schlechten Gefühl übermannt, das dich herunterzieht und alles andere als leistungsfördernd ist.

Ob du dich nach oben oder unten limitierst, spielt keine Rolle. Eine Leistungssteigerung wird durch beide Grenzen verunmöglicht.

Und jetzt kommt Roger Bannister zum Zug!

Leistungssteigerung à la Roger Bannister

Was kannst du von Roger Bannister lernen?

Mentale Barrieren und Leistungsgrenzen können durchbrochen werden, wenn du bei dir bleibst.

Der Amerikaner würde sagen:

Mit Schönmalen und Positiv-Denken alleine ist es jedoch nicht getan. Ein Ziel, das fernab der Realität ist, kann auch zu einer Leistungsgrenze werden.

Grenzen verschieben

  1. Visualisiere dein Ziel 
Stelle dir vor, wie du dein Ziel erreichst und wie es sich anfühlt.

    Das war eines der Geheimnisse von Roger Bannister. Damit verschiebst du deine Grenze nach oben.

  2. Halte durch

    Bleib dran und nimm deine Fortschritte wahr. Nicht alles funktioniert gleich bei den ersten Versuchen. Manchmal dauert es im Sport Monate oder Jahre, bis sich der Erfolg einstellt. Roger Bannister ist sich über die Jahre treu geblieben.

  3. Glaube an deine Möglichkeiten

    Wenn du gleich nach den ersten Misserfolgen das Handtuch schmeisst, wirst du deine Möglichkeiten kaum ausschöpfen können. Glaube an dich und nutze deine Möglichkeiten.

  4. Akzeptiere schlechte Leistungen

    Ein ganz entscheidender Punkt. Wenn du schlechte Leistungen akzeptieren kannst und dir erlaubst, die untere Leistungsgrenze zu überschreiten, ohne dich dafür plattzumachen, dann steigt auch deine obere Leistungsgrenze. Wenn du das Schlechte akzeptierst, gibst du dir die Erlaubnis, dich nach oben zu entwickeln.

  5. Verabschiede dich von deinen Erwartungen

    Du bist ein „Beinahe-Athlet“, der seine Ziele immer knapp verfehlt? Gehe deine Wettkämpfe ohne Erwartungen an und fokussiere dich nur auf das, was zu tun ist. So habe ich die 7-Minuten-Grenze über 5000 m durchbrochen.

Fazit

Roger Bannister hat uns gezeigt, dass der Glaube an sich und ein verzeihender Umgang mit Misserfolgen in Kombination mit mentalem Training eine erfolgversprechende Strategie ist, mit der unerwartete Leistungssteigerungen möglich sind.

Dabei hat er selbst die Fachwelt Lügen gestraft.

Glaube an dich und nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.