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Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel. – Konfuzius

Wie oft bist du schon an eigentlich kleinen Herausforderungen gescheitert, weil du nicht genau hingesehen hast?

Ich schon einige Male. Dann stolpere ich über den sprichwörtlichen Maulwurfshügel. Meistens passiert mir das, wenn mir die Dinge über den Kopf wachsen.

So erging es einer Athletin, die nicht mehr wusste, wo ihr der Kopf steht. Dennoch machte sich bei ihr das Gefühl breit, noch mehr tun und genau darauf achten zu müssen, was die anderen alles machen.

Dass sie dabei stolperte, ist nur logisch.

Der tägliche Wahnsinn

Die junge Sabine ist eine sehr engagierte Schwimmerin, die immer alles unter einen Hut bringen will und die Tendenz hat, sich zu überfordern. Das liegt auch an ihrem Pflichtbewusstsein und ihrer Detailverliebtheit.

Einerseits will sie mit Spass bei der Sache sein, andererseits übernimmt sie sich immer wieder.
Ihren Alltag hat sie von A bis Z durchgeplant. Dienstags schaut das z. B. folgendermassen aus:

06:00 – 7:00 Aufstehen, Morgentoilette und frühstücken

07:00 – 7:30 Schulweg

07:30 – 10:00 Schule

10:00 – 10:30 Z’Nüni und Weg ins Training

10:30 – 12:45 Training

12:45 – 14:00 Mittagessen und Schulweg

14:00 – 17:00 Schule

17:00 – 17:30 Weg ins Training und leichte Mahlzeit

17:30 – 20:00 Training

20:00 – 20:30 Weg nach Hause

20:30 – 21:15 Abendessen

21:15 – 22:00 Hausaufgaben oder Freizeit

22:00 – 06:00 Schlafen

Familie, Freundinnen und Hobbys sollten natürlich auch nicht zu kurz kommen und dann muss sie noch ihre Konkurrentinnen und die Top-Athleten analysieren. Halbe Sachen gibt es für sie nicht. 😉 Sie vergleicht ihre Situation gerne mit den anderen.

Und genau da beginnt ihr Dilemma.

Der ewige Vergleich

Sabine versucht immer, mit ihren Konkurrenten gleichauf zu sein. Typisch für sie sind Aussagen wie:

  • „Hast du gesehen, was der hat?“
  • „Hast du gesehen, wie der trainiert?“
  • „Hast du gehört, was XY macht?“
  • Etc.

Natürlich versucht Sabine auch, ihren Idolen nachzueifern und das Beste aus sich herauszuholen.

Etwas vergisst sie dabei: Auf sich selber zu schauen, bei sich zu bleiben und ihre Möglichkeiten zu nutzen.

Darum passiert es ihr immer wieder, dass sie sich auf Nebenschauplätze konzentriert und über kleine Maulwurfshügel stolpert. Ab und an werden die Maulwurfshügel auch zu unüberwindbaren Bergen hochstilisiert.

Gestrauchelt

Bei ihren Vergleichen vergisst Sabine einen entscheidenden Punkt: Ihre Rahmenbedingungen und Möglichkeiten sind anders als die von Michael Phelps, Katie Ledecky und wie sie alle heissen. Sie bringt auch andere Voraussetzungen mit als ihre Teamkolleginnen oder ihre nationale Konkurrenz.

Der ewige Vergleich und die Vorstellung, was sie alles nicht hat und noch tun müsste, führte dazu, dass sie in eine Abwärtsspirale kam, sich überforderte und den Spass am Schwimmen verlor.

Das Ergebnis: Sie trat auf der Stelle und kam nicht mehr vom Fleck.

Back to the roots

Dass sie schwimmen kann und ein Ass in den Lagenwettbewerben ist, weiss sie selber. Dass sie sich selber im Weg steht, auch. Doch was sollte sie tun?

Sich auf ihre Stärken und das Wesentliche besinnen.

Manchmal ist weniger mehr!

Das ist in vielen Situationen einfacher gesagt als getan.

Als ich Sabine fragte, was sie anders machte, als ihre Leistungen noch gut waren, überlegte sie lange …
Dann sagte sie: „Ich habe mich auf meine Stärken konzentriert und eins nach dem anderen gemacht.“

„Kannst du das bitte genauer erläutern?“, habe ich nachgehakt.

„Eigentlich weiss ich sehr gut, was mir liegt. Im Training habe ich mich immer auf das fokussiert, was es gerade zu tun gab, und in der Schule verschwendete ich kaum einen Gedanken aufs Training. Ich habe konzentriert und fokussiert an der einen Aufgabe gearbeitet. Und ich habe mich viel ausgeglichener gefühlt.“

Wie du unschwer feststellen kannst, ist das nicht nur eine mentale Geschichte, sondern vielmehr ein Selbstmanagement-Thema.

Bei jungen Athleten mit einem vollen Tagesprogramm und Aufgaben, die ihnen über den Kopf wachsen, kann der falsche Fokus dazu führen, dass kleine Maulwurfshügel einen grossen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben.

Maulwurfshügel abtragen

Sabine kannte die Lösung für ihr Problem selber. Für mich ging es nur darum, ihr auf die Sprünge zu helfen und die richtigen Fragen zu stellen.

Ich kenne das mit den Nebenschauplätzen und Maulwurfshügeln sehr gut. Da ich mich immer wieder in Ideengewittern verliere, kann das Wichtige, das ich tun sollte, auch einmal in den Hintergrund rücken.

Weil sich der Fokus auf unwichtigere Details verlagert.

Sabine stellte für sich fest, dass ihre Nebenschauplätze ein zu grosses Gewicht bekommen haben. Der Fokus auf ihre nationale Konkurrenz und was ihre Idole alles für super Dinge tun, hat sie von ihrem Weg abgebracht.

Denn sie hat vergessen, was sie stark macht: Die Analyse ihrer Wettkämpfe und die richtigen Schlüsse fürs Training und die nächsten Wettkämpfe zu ziehen sowie die Fähigkeit, sich im „Hier und Jetzt“ der einen Aufgabe zu widmen.

Deshalb hat sie sich dafür entschieden, die Nebenschauplätze zu verlassen und sich wieder auf die eigenen Stärken zu besinnen. In diesem Kontext wurde auch das Selbst- und Zeitmanagement ein Thema.

Fokussiert und leistungsfähig

Mit dem Fokus auf das, was zu tun ist, bringst du bessere Leistungen. Mein Artikel „Wie du in 6 Schritten deinen Fokus verbesserst“ hilft dir dabei bestimmt weiter.

Auch mein Freund und Zeitmanagement-Experte Ivan Blatter beschreibt das in seinem Artikel „Produktives Arbeiten ist fokussiertes Arbeiten: Ein paar Gedanken und 5 Tipps“ sehr treffend.

Der entscheidende Punkt: Vermeide Ablenkungen! E-Mails, Facebook, Snapchat etc. haben in den Schulstunden, im Training, Wettkampf und bei den Hausaufgaben nichts verloren. Damit leidet nicht nur deine Leistungsfähigkeit, deine Tage werden durch die Unterbrechungen auch länger und die Regenerationszeit kürzer. Umgekehrt wäre es sinnvoller. 😉

Oder hast du Roger Federer, Michael Phelps oder Dirk Nowitzki im Training oder Wettkampf schon mit einem Smartphone in der Hand gesehen? Eher nicht! Auch in diesem Bereich darfst du die Top-Athleten als Vorbild nehmen. Sie verstehen es ausgezeichnet, sich auf die eine Aufgabe zu konzentrieren, die zu tun ist.

Social Time

Sabine sagte mir, dass sie (zu) wenig Zeit für Freunde und Familie hat. Zwischen Tür und Angel reicht es für ein Gespräch oder einen kurzen Chat. Das genüge ihr nicht.

Wie löst du dieses Dilemma? Nimm dir bewusst Zeit für deine Familie und Kollegen. Reserviere dir dafür ein oder mehrere Zeitfenster (zum Beispiel das gemeinsame Nachtessen), wie du es für das Training, das Lernen und die Schule machst. Wenn du Zeit mit deinen Freunden und der Familie verbringst, bist du mit Haut und Haaren dabei und im „Hier und Jetzt“.

Dein Smartphone kannst du danach wieder in die Finger nehmen. Eine Begegnung ohne störende Facebook- und Snapchatnachrichten hat eine andere Qualität. Zudem befriedigt die Social Time dein Beziehungsmotiv. Das gibt dir auch Energie für deine bevorstehenden Aufgaben.
Geniesse die Zeit mit deinen Freunden bewusst und in vollen Zügen.

Fazit

Eliminiere Nebenschauplätze, fokussiere dich auf deine Stärken und nutze deine Zeit für das, was jetzt ansteht.

Weniger ist manchmal mehr!

Habe den Mut, NEIN zu sagen, wenn etwas nicht in dein Konzept passt, und fokussiere dich auf dich, deine Stärken und deine Aufgabe.

„Nein, jetzt geht es nicht, ein andermal jedoch sehr gerne“ versteht jeder. Damit reduzierst du das Risiko, über die Maulwurfshügel zu stolpern.

Die Aufmerksamkeit eines erwachten Menschen ist immer im Jetzt fokussiert – doch zugleich ist er sich der Zeit – sozusagen als Randerscheinung – bewusst. Mit anderen Worten, er benutzt weiterhin Uhr-Zeit, ist aber frei von psychologischer Zeit.

-Eckhart Tolle, Jetzt! Die Kraft der Gegenwart

Seit Sabine ihre Zeit bewusst ist, die Nebenschauplätze eliminiert hat und sich auf das Jetzt fokussiert, schwingt sie in den Lagenwettkämpfen wieder obenauf. Den Spassfaktor sieht man ihr sehr gut an.

Wo fällt es dir leicht, dich ganz auf die Aufgabe und das „Hier und Jetzt“ zu fokussieren?

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin