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Niederlagen sind scheisse!

Daran gibt es keinen Zweifel. Ich kenne keinen Sportler, der gerne Niederlagen einsteckt.

Und dennoch gehören sie zum Sportleralltag.

Ich bin davon überzeugt, dass der gute Umgang mit Niederlagen einen Sportler auszeichnet.

Dabei denke ich unweigerlich an Roger Federer. Vor Kurzem hat er nach einer Durststrecke mit Finalniederlagen und einer langen Verletzungspause das Australian Open in einem epischen Finale gegen Rafael Nadal gewonnen.

Niemand hatte mit diesem Erfolg gerechnet.

Rafael Nadal stand wie ein geschlagener Hund daneben und zeigte auch in der Niederlage Grösse. Die Situation gab es auch schon andersrum …

Roger Federer und Rafael Nadal sind gute Beispiele für Athleten mit Stehaufmännchen-Qualitäten und einem guten Umgang mit Niederlagen. Das war nicht immer so. Von Roger Federer ist überliefert, dass er in jungen Jahren gerne ausflippte und nicht die Grösse zeigte, die er heute ausstrahlt.

Was heisst das für dich?

Den Umgang mit Niederlagen kannst du lernen und daran wachsen!

Der ewige Vergleich

Im Leistungssport bist du andauernd dabei, dich mit anderen zu vergleichen. Du bewertest die Leistung und die Leistungsentwicklung deiner Konkurrenten und vergleichst sie mit deiner.

Du hast Erwartungen, du setzt dir Ziele und vergleichst deine Leistung mit diesen beiden Messgrössen. Vielleicht möchtest du auch die Erwartungen der Trainer oder der Eltern erfüllen. Das ist jedoch ein anderes Thema.

Vergleiche sind wichtig, da sie dir als Orientierungshilfe dienen. Sie geben dir Hinweise darauf, was du bereits kannst und in welchen Bereichen du dich noch verbessern musst.

Vergleiche können aber auch tückisch sein. Insbesondere dann, wenn der Vergleichswert aufgrund einer falschen Erwartung gesetzt wird. Das ist mehr als frustrierend.

Wenn du beispielsweise ein Antisprinter bist, wie ich es war, macht es wenig Sinn, die Messlatte im Sprint hoch zu legen und dich mit Sprintern zu vergleichen.

Das klingt logisch, oder? Dennoch habe ich diesen Vergleich gemacht und eine persönliche Niederlage nach der anderen eingefahren. Dabei war die Niederlage gegen die anderen nicht das Problem. Das Gefühl, persönlich versagt zu haben, drückte mir schwer auf den Magen.

Niederlage oder Versager?

Eine Niederlage ist nicht gleich Niederlage. Oder doch?

Wenn du dir eine Rangliste anschaust, ist der Zweite bereits der erste Verlierer – oder wie es ABBA treffend in ihrem Song „The Winner Takes It All“ formulierten:

The winner takes it all
The loser’s standing small

In die gleiche Kerbe schlägt Queen mit dem Song „We Are The Champions“:

We are the champions, my friends
And we’ll keep on fighting till the end
We are the champions
We are the champions
No time for losers
‚Cause we are the champions of the World

Da muss man eigentlich nichts hinzufügen. Für die Verlierer und Versager gibt es keinen Platz.

… doch dann müsste ich den Artikel jetzt schon beenden. Und wir können schliesslich nicht alle immer gewinnen. Das geht einfach nicht.

In jeder Niederlage steckt eine Chance, wenn du sie nutzt.

Setzt du die Niederlage oder einen Fehler mit Versagen gleich, dann hast du die Chance vertan und dich selbst als Versager abgeschrieben.

Ob du dich zum Versager stempelst oder die Niederlage als Chance nutzt, kannst nur du entscheiden.

Gibst du auf oder kämpfst du?

Niederlage ist nicht gleich Niederlage

In einem Wettkampf kann nur einer gewinnen (mit ein paar Ausnahmen). Das ist nicht neu. Bevor du an einer Niederlage zerbrichst, solltest du dir das immer wieder in Erinnerung rufen.

It’s part of the game!

Niederlagen haben unterschiedliche Gewichte.

Niederlagen in Vorbereitungs- oder Vereinswettkämpfen kannst du einfacher verarbeiten als bei einem wichtigen Wettkampf (Nationale Meisterschaften, Junioren-Weltmeisterschaft, Olympische Spiele etc.), für den du dich Monate oder Jahre vorbereitet hast.

Wenn du bei einer Meisterschaft das Podest oder den Sieg knapp verfehlst hast, dann ist das sehr schmerzhaft und kann tiefe Spuren hinterlassen.

Dein Umgang mit der Niederlage kann auch davon abhängig sein, wie sie zustande gekommen ist.

Ob du dein Leistungspotenzial nicht abrufen konntest, dir das Wetter (oder andere äussere Bedingungen) einen Strich durch die Rechnung machten oder ob einfach einer besser war als du, macht einen Unterschied.

Mit was für einer Erwartung du in den Wettkampf gegangen bist, spielt selbstverständlich auch eine Rolle.

In den meisten Fällen lässt sich eine Niederlage so definieren:

Das Ergebnis entsprach nicht deinen Erwartungen.

Ich weiss, das ist sehr stark vereinfacht, und doch es trifft den Nagel auf den Kopf.

Du gehst an einen Wettkampf und setzt dir den Sieg als Ziel. Als Zweiter hast du verloren.

Deine Trainingsergebnisse waren gut und du erwartest von dir eine persönliche Bestleistung. Erreichst du diese nicht, ist die persönliche Niederlage perfekt.

Selbst eine persönliche Bestzeit kann für dich eine Niederlage sein, wenn dir beispielsweise dein Teamkollege vor der Sonne steht.

Nein, es geht mir nicht darum, Niederlagen schönzureden. Das ist nicht die Lösung.

Vielmehr geht es darum, wie du mit der Niederlage umgehst. Eine schlechte Zeit kommt nicht unbedingt einer Niederlage gleich.

Ein Hoch auf das Tief!

Der Verlierer von heute ist der Gewinner von morgen.

Ohne Niederlage gibt es keinen Sieg. Irgendjemand muss den Kopf für den Sieger hinhalten, oder?

Du kannst nicht immer gewinnen – immer verlieren macht auch keinen Spass.
Der Stärkste gewinnt, der Mutigste kommt in die nächste Runde und wer am schnellsten rennt oder das beste Timing hat, gewinnt.

Jede Siegesserie geht einmal zu Ende. Dann müssen auch die Superstars Gras fressen und unten durch. Lange galt Roger Federer als unbesiegbar. Denselben Status hatte Novak Djokovic … bis zu seiner Krise. Beim Australian Open 2017 ist Djokovic bereits in der zweiten Runde gegen einen „No Name“ ausgeschieden. Eine schmerzhafte Erfahrung. Und doch wird er zurückkommen und wieder Turniere gewinnen.

Frustration gehört im Sport dazu. Alles hat zwei Seiten.

Wahre Champions erkennst du in der Niederlage! Anstelle von Klagen und Jammern analysieren sie und fokussieren sich auf die nächsten Ziele.

Champions in der Niederlage

  1. Champions akzeptieren die Situation

    Den Medien nach einer Niederlage Rede und Antwort zu stehen, ist eine der schwierigsten Übungen. Champions akzeptieren und stellen sich der Situation. Fairplay leben sie auch in der Niederlage.

  2. Champions suchen die Schuld nicht bei den anderen

    Champions suchen keine Ausreden nach einer Niederlage. Sie akzeptieren das Ergebnis und wissen, dass sie für ihre Handlung selber verantwortlich sind.

  3. Champions akzeptieren die Rahmenbedingungen

    In diversen Sportarten gibt es immer wieder Konstellationen (Wetter, Auslosung), die den einen oder anderen Athleten bevorzugen und das Ergebnis beeinflussen können. Champions sind sich dessen bewusst und akzeptieren die Eigenheiten ihrer Sportart. Das nächste Mal ist das Glück auf ihrer Seite.

  4. Champions lassen Emotionen zu und stehen dazu

    In einer Niederlage von negativen Emotionen übermannt zu werden, ist nur natürlich. Champions lassen ihre Emotionen zu und verarbeiten diese. Manche fluchen, schreien ihren Frust raus oder ziehen sich zurück. Damit sie danach wieder bereit sind für neue Taten.

  5. Champions machen sich nicht selber fertig

    In einer Niederlage stempeln sich Champions nicht zum Versager. Sie können das Ergebnis ihrer Handlung vom Wert ihrer Person unterscheiden. Ihre Handlung war ein Misserfolg! Der Wert ihrer Person ändert sich durch die Niederlage nicht.

  6. Champions lassen sich durch die Niederlage nicht herunterziehen

    Sich nach einer Niederlage im Selbstmitleid zu suhlen und ewig zu grübeln, ist sehr verlockend. Aber nicht zielführend. Champions bleiben optimistisch, fokussieren sich auf das nächste Ziel und sind davon überzeugt, dass sie ihre Situation positiv beeinflussen können. Damit bleiben sie handlungsfähig.

  7. Champions sehen die Möglichkeiten

    In einer negativen Stimmung sieht man oft nur noch das Problem. Champions können sich davon lösen und erkennen die Möglichkeiten, die sich durch die Niederlage bieten. Schon mancher ging gestärkt aus der Niederlage hervor.

  8. Champions lernen aus Niederlagen

    Jede Niederlage hat etwas Positives. Champions analysieren Niederlagen und lernen daraus. Damit sind sie das nächste Mal noch besser vorbereitet. Weil sie ihren Erfahrungsschatz damit erweitern. Champions erkennen den Gewinn respektive das Lehrgeld einer Niederlage.

  9. Champions machen keine selbsterfüllenden Prophezeiungen

    „Das Finale verliere ich sowieso.“ Nach ein paar Finalniederlagen besteht die Gefahr, dass du so denkst. Champions lösen sich von selbsterfüllenden Prophezeiungen. Jeder Final beginnt wieder von vorne. Egal, was davor passiert ist. Champions leben den Augenblick und fokussieren sich auf das, was zu tun ist.

  10. Champions nehmen Unterstützung in Anspruch

    Champions müssen nicht alles selber lösen. Wenn sie in der Niederlage nicht weiterkommen, nehmen sie gerne die Unterstützung von Freunden oder professionelle Hilfe in Anspruch.

  11. Champions gehen auch nach der Niederlage Risiken ein

    Nach einer Niederlage nimmt die Hemmschwelle zu. Die Risikobereitschaft sinkt und es wird ängstlich agiert. Champions wissen, dass sie auch nach einer Niederlage Risiken eingehen müssen. Die Baseline ist neu gesetzt und sie können es wieder krachen lassen.

Bist du ein Champion?

Fazit

In der Niederlage bleiben Champions handlungsfähig und bei sich.

Wenn du in der Niederlage wie ein Champion handelst, werden dich diese nicht mehr herunterziehen.

Wie gehst du mit Niederlagen um? Hinterlasse mir deine Strategie als Kommentar.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass du mit dem Unbewussten im Boot mental stärker bist.