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Erfolgserlebnisse sind mentale Booster!

Setzt du diese Booster gezielt und systematisch ein?

Vor allem in Krisenzeiten vergessen Athleten die Macht von Erfolgserlebnissen. Denn sie fokussieren sich krampfhaft auf den Misserfolg.

Das ist eine Sackgasse.

Nur mit Erfolgserlebnissen kommst du auf die Siegerstrasse zurück.

Das ist manchmal einfacher gesagt als getan. Vor allem, wenn du das Gefühl hast, von Rückmeldungen aus deinem Umfeld abhängig zu sein.

Abhängigkeit

Durch positives Feedback und Lob von deinem Trainer kannst du dein Selbstvertrauen einfach aufbauen. Wenn du es annimmst. Es entsteht jedoch eine Abhängigkeit, wenn es für dich die einzige Feedbackquelle ist.

Wie ist das bei dir?

Sind dein Selbstvertrauen und deine Erfolgserlebnisse abhängig von der Trainerbeurteilung?

Oder kannst du deine Erfolgserlebnisse selber herbeiführen und arrangieren?

Regelmässige Erfolgserlebnisse

Lob und Erfolgserlebnisse sind wichtig für deine Entwicklung. Nur mit positiver Bestätigung kannst du lernen und dich verbessern.

Regelmässige Erfolgserlebnisse wünscht sich jeder – denn sie führen dazu, dass du dich verbesserst und Selbstvertrauen tankst. Auch dein Anspruch steigt mit jeder Bestätigung, du lechzt nach mehr.

Bleiben Erfolgserlebnisse aus, kann das zu einer erhöhten Leistungsbereitschaft führen, wenn du den Wettkampf wieder als Schnellster oder Bester beenden willst.

Andererseits kann auch ein Gewöhnungseffekt eintreten. Vor allem dann, wenn du Erfolgserlebnisse als etwas Selbstverständliches empfindest.

Je geringer das Selbstvertrauen eines Athleten ist, desto wichtiger sind Erfolgserlebnisse.

Misserfolg und Hoffnung

Damit du dich nicht zu sehr an Erfolgserlebnisse gewöhnst, sollten diese im Idealfall unregelmässig auftreten. Du denkst jetzt bestimmt: „Was ist das für eine bescheuerte Aussage!“ Oder?

Ich weiss, das klingt ein wenig schräg.

Wenn du dich an etwas zu sehr gewöhnt hast, nimmt der Reiz ab und du erlebst den Erfolg nicht mehr mit der gleichen emotionalen Intensität. Du sagst dann vielleicht: „Es ist o.k., nichts Besonderes.“

Ein Misserfolg regt bei motivierten Athleten die unbewussten Motive an. Sie haben die Hoffnung, beim nächsten Wettkampf wieder erfolgreich zu sein und wieder mit einem Erfolgserlebnis belohnt zu werden.

Das motiviert sie, wieder ihr Bestes zu geben.

Erfolgsursache

Athleten nehmen die Ursache für ihre Erfolge und Misserfolge sehr unterschiedlich wahr.

Das folgende Muster ist weit verbreitet und dient auch als Selbstschutz.

Bist du erfolgreich, liegt die Ursache ausschliesslich bei dir. Klar doch. Schliesslich hast du eifrig trainiert und dich gewissenhaft auf den Wettkampf vorbereitet.

Bei einem Misserfolg sind es dann nur die äusseren Bedingungen wie die lange Anreise oder die falsche Instruktion vom Trainer, die zu einem Misserfolg geführt haben. Logisch, oder?

Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, denn Erfolg ist nicht gleich Erfolg: Wenn du immer gegen viel schwächere Gegner oder wegen Materialvorteilen gewinnst, kann das zu Selbstüberschätzung oder arrogantem Verhalten führen, das mit der Realität nicht viel zu tun hat.

Langfristig ist das suboptimal.

Erfolgserwartung

Ein Athlet, der sich vorwiegend an Misserfolgen orientiert, setzt sich andere Ziele als ein erfolgsorientierter Athlet.

Erfolgsorientierte Athleten setzten sich realistische Ziele, bei denen die Wahrscheinlichkeit für ein Gelingen/Misslingen bei 50/50 liegt. Damit wird das Leistungsmotiv aktiviert. Die Ursache für ihren Erfolg respektive Misserfolg schreiben sie sich selbst und ihren Anstrengungen zu.

Im Gegensatz dazu setzen sich misserfolgsorientierte Athleten sehr leichte oder sehr schwer erreichbare Ziele. Hinterher können sie dann sagen: „Ich wusste, dass ich es nicht schaffe/zu untalentiert bin“ oder „Ich hatte einfach Glück.“

Die zweite Variante ist langfristig ungünstig.

Gefühlsbilanz

Abhängig von dem Ergebnis und der Ursache entstehen bei erfolgs- und misserfolgsorientierten Athleten unterschiedliche Emotionen.

Die Gefühlsbilanz bei misserfolgsorientierten Athleten fällt (fast) immer negativ aus. Lernen kannst du damit nicht. Erfolgserlebnisse erleben … noch weniger. Denn es fehlt die positive Bestätigung.

Als erfolgsorientierter Athlet wirst du durch deine Erfolgserlebnisse positiv bestätigt. Du weisst, dass du es wegen deiner Fähigkeiten und deiner Einsatzbereitschaft geschafft hast. Durch diese Haltung werden dein Selbstwertgefühl und dein Selbstvertrauen gestärkt. Du lernst laufend dazu und es fällt dir leichter, mit Misserfolgen umzugehen.

Rezept für mehr Erfolgserlebnisse

Dieses Rezept unterstützt dich dabei, Erfolgserlebnisse besser wahrzunehmen und sie deinen Fähigkeiten zuzuschreiben.

Zutaten:

  • Athlet (also du)
  • Emotionen (Gefühle)
  • Aufgabe/Ziel (selber definieren)
  • Ergebnis (ergibt sich aus dem Handeln)
  1. Aufgabe festlegen

    Lege die Aufgabe respektive das Ziel fest.

    Wähle den Schwierigkeitsgrad so, dass die Wahrscheinlichkeit, dass du das Ziel erreichst, 50/50 ist. Das aktiviert dein Leistungsmotiv.

    Beispiel: Bei jeder Wende wie eine Feder abstossen.

  2. Frage und Antwort

    Stelle dir die Frage „Kann ich es schaffen?“ und beantworte sie mit „Ja, ich kann!“
    Warum das besser ist als „Ich kann es schaffen“, liest du hier.

  3. Aufgabe durchführen

    Absolviere das Training oder den Wettkampf.

  4. Ergebnis beurteilen

    Analysiere hinterher das Ergebnis und beurteile es.

    Beispiel: Bei wie vielen Wenden ist es mir gelungen, wie eine Feder abzustossen? Jede Wende (oder was auch immer du als Aufgabenziel gesetzt hast), die du wie gewünscht absolviert hast, ist in diesem Fall ein Erfolg!

    Jedes Erfolgserlebnis, auch wenn es dir noch so banal und unbedeutend vorkommt, stärkt dein Selbstvertrauen und deine Zuversicht. Nimm es wahr.

  5. Erfolgserlebnis mit den zugehörigen Emotionen speichern

    Nimm das gute Gefühl, das mit dem Erfolgserlebnis verbunden ist, bewusst wahr und halte es fest. Speichere es in deiner Erinnerung. Dann fällt es dir leichter, zukünftige Erfolgserlebnisse zu erkennen.

    Du kannst die Wahrnehmung von deinen Emotionen üben, so wie ich das hier beschrieben habe. Das hilft dir auch in Entscheidungssituationen.

Feedback kombinieren

Du weisst jetzt, wie du deine Leistung einschätzen kannst und sie deinen Fähigkeiten zuschreibst. Jetzt holst du deinen Trainer wieder ins Boot.

Du kannst die Wahrnehmung deiner Leistung und deines Erfolgserlebnisses mit der Aussensicht deines Trainers abgleichen.

Nicht immer ist die Selbstwahrnehmung identisch mit der Fremdwahrnehmung.

Wenn du im Kopf müde bist, einen schlechten oder einen guten Tag hast, verändert sich deine Wahrnehmung.

Je öfter du das machst, desto ähnlicher werden eure Einschätzungen sein.

Fazit

Erfolgsorientierte

  • setzen sich realistische Ziele, die sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 50/50 erreichen
  • führen ihre Erfolgserlebnisse vor allem auf ihre Fähigkeiten zurück
  • führen Misserfolge auf mangelnde Anstrengung und äussere Faktoren zurück
  • können ihre Leistung einschätzen und Lehren aus Misserfolgen ziehen
  • nehmen sich und ihre Emotionen wahr und
  • nutzen auch die kleinen Erfolge als emotionale Booster

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.