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Der Zweifel ist’s, der Gutes böse macht. – Johann Wolfgang von Goethe

Das hat auch die junge Leichtathletin Laura erfahren. Dabei hat alles so gut begonnen … Und dann kamen die Selbstzweifel!

Beginnen wir von vorne. Laura blickt auf eine gute Saison zurück. Sportlich lief es viel besser als sie sich das in ihren kühnsten Träumen ausgemalt hatte. Bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zeigte sie, was in ihr steckt. Und genau das ist der Beginn von ihrem Dilemma.

Wie weiter?

Laura war sehr glücklich über die vergangene Saison und sprudelte nur so vor Begeisterung, als sie mit ihrem Trainer eine Bestandsaufnahme machte.

Natürlich sind ihre Ansprüche mit den Ergebnissen gewachsen. Laura erzählte ihrem Trainer Roger, was sie alles erreichen möchte, denn sie hat Blut geleckt. Roger ist das nicht entgangen. Schon während der Saison knüpfte er lose Kontakte, als Laura ihm zu spüren gab, dass sie eine Sportkarriere in Betracht zieht.

Als Roger Laura fragte, wie sie ihre Zukunft sehe, sagte sie mit leuchtenden Augen und einem breiten Grinsen: „Ich will zu den Olympischen Spiele und an die europäische Spitze. Die nächsten zwei Jahre möchte ich alles auf die Karte Sport setzen. Meine Eltern sind damit einverstanden.“ Der Rahmen war gesetzt.

Auf die Frage, wie sie sich denn das vorstelle, meinte sie: „Ich möchte sehr gerne mit dir weiter trainieren. Du hast mich so weit gebracht und ich vertraue dir.“

Roger fühlte sich geschmeichelt und holte tief Luft: „Weisst du Laura, ich arbeite sehr gerne mit dir und ich schätze deine professionelle Einstellung. Wenn du jedoch deine hochgesteckten Ziele erreichen möchtest, musst du auch in einem Umfeld sein, das diese möglich macht. Das können wir dir hier nicht bieten.“

„Was meinst du damit?“

„Ich bin Nachwuchstrainer mit Leib und Seele, das weisst du sehr gut. Beruflich bin ich sehr eingespannt und zufrieden mit meinem Job. Selbst wenn ich wollte, kann ich dir nicht mehr Zeit widmen. Zudem gibt es im Verein und in der Region keine geeigneten Trainingspartner, mit denen du dich weiterentwickeln kannst. Wenn du alles alleine machen musst, wird das sehr schwer oder sogar ein Ding der Unmöglichkeit. Aus diesem Grund habe ich lose Kontakte zu Trainingsgruppen geknüpft, die dich gerne in ihren Kreis aufnehmen. Dann kannst du in einem Team mit professioneller Betreuung und gleich starken und besseren Trainingspartnern trainieren.“

Roger erzählte Laura alles über die verschiedenen Möglichkeiten. Eins hatten sie alle gemeinsam: Laura musste ihr gewohntes Umfeld dafür verlassen. Mit diesem Gedanken kamen bei Laura die Selbstzweifel.

Selbstzweifel

Mit den Erzählungen von Roger stand auf einmal „ungelegte Eier“ im Raum. Die Selbstzweifel und Gedankengänge nahmen bei Laura kein Ende mehr.

Was passiert …

  • wenn ich mich in dieser Trainingsgruppe nicht wohl fühle?
  • wenn ich mit den anderen nicht mithalten kann?
  • wenn ich nicht verstanden werde?
  • wenn ich mit dem Trainer nicht zurechtkomme?
  • wenn der Trainingsplan zu starr ist?
  • Wenn ich sinnlose Trainings absolvieren muss?
  • wenn ich zu wenig Freiraum habe?
  • wenn ich keinen Anschluss finde?
  • Wenn, wenn, wenn …?

Auch wenn du alle Horrorszenarien durchspielst – etwas bleibt: die ungelegten Eier!

Roger staunte nicht schlecht über die Selbstzweifel von Laura. Er hatte schon einige Krisen mit ihr bewältigt. Von der totalen Blockade bis zu ihrer Social-Media-Geschichte und den Konflikten mit der Mutter.

Dass der fröhliche und begeisterungsfähige „wilde Adler“ von solchen Selbstzweifeln geplagt würde, hätte er nicht für möglich gehalten. Obwohl es immer wieder Situationen gab, in denen Laura an sich zweifelte. Das war aber meistens von kurzer Dauer.

Was jetzt alles in diese „ungelegten Eier“ projiziert wurde, kam für ihn sehr überraschend. Mit Laura hatte er das noch nie erlebt. Fairerweise darf hier auch gesagt sein, dass dies eine grosse Entscheidung ist.

Die ungelegten Eier

Kannst du mit Laura mitfühlen? Ich schon. Es gab (und es gibt sie heute noch – ja, das gebe ich zu) Situationen, in denen ich, von Selbstzweifeln geplagt, alle Befürchtungen in die „ungelegten Eier“ projizierte.

Selbstzweifel entstehen oft, wenn …

  • du zu hohe Erwartungen an dich selbst hast
  • zu hohe Erwartungen auf dich projiziert werden
  • du Angst hast, Fehler zu machen
  • du Angst hast, nicht gut genug zu sein
  • du Angst hast, anderen nicht zu genügen
  • dich der Mut verlässt

Du findest immer einen Grund, warum du etwas nicht kannst.

Gründe suchen, warum du etwas nicht kannst, macht wenig Sinn. Damit schürst du deine Selbstzweifel und entwickelst „die ungelegten Eier“ zu einem Monster respektive einem unüberwindbaren Hindernis.

Möchtest du das? Ich bezweifle das.

Laura ging es nicht anders. Als ihr Roger die Geschichte von „den ungelegten Eiern“ erzählte, musste sie schmunzeln, denn sie hat sehr wohl verstanden, was er meinte. Postwendend fragte sie ihn: „Ja, und jetzt, was mache ich dagegen?“

Roger fragte sie: „Was würde Martin sagen?“ Mit einem breiten Grinsen antwortete sie, wie aus der Pistole geschossen:

Selbstzweifel ade

Selbstzweifel kannst du auf verschiedene Arten eliminieren.

Affektbilanz machen

Eine Möglichkeit, Selbstzweifel zu eliminieren, ist die Arbeit mit der Affektbilanz – insbesondere in Entscheidungssituationen. Dazu habe ich hier, hier und hier Artikel geschrieben.

Laura hat für sich mit der Affektbilanz gearbeitet. Damit konnte sie ihre Selbstzweifel auf Gefühls- und Verstandesebene einordnen. Das hat ihr geholfen, die Selbstzweifel zu eliminieren und sich für die (für sie) beste Trainingsgruppe zu entscheiden.

Wie das ausgehen wird, weiss sie nicht, und sie freut sich extrem auf die neue Erfahrung.

Lösung in den Vordergrund stellen

Ungewisse Situationen werden zu Monstern aufgebaut, weil alles Negative in sie projiziert wird.
Besser ist es, dich auf Lösungen und Möglichkeiten zu fokussieren.

Eine geeignete Frage dazu wäre: „Was ist deine kühnste Hoffnung?“

Was hätte wohl Laura geantwortet, wenn du sie nach ihrer „kühnsten Hoffnung in der neuen Trainingsgruppe“ gefragt hättest?

Wie würdest du selber antworten, wenn du gefragt wirst: „Was ist deine kühnste Hoffnung in Bezug auf dein sportliches Ziel oder was auch immer?“

Merkst du den Unterschied?

Kopfstand machen

Hast du Zweifel, beginnen die Gedanken zu kreisen und du führst negative Selbstgespräche. Dann wird jede ungewisse Situation zum Horrorszenario. Artikel zu Selbstgesprächen findest du hier , hier und hier.

Du kannst dir auch eine einfache Frage stellen, wenn sich Selbstzweifel breitmachen, wie das bei Laura der Fall war, als sie sagte:

„Ich werde mit den anderen mithalten können.“

Das konnte sie sich selbst nicht ganz glauben.

Was passiert, wenn du dich auf den Kopf stellst und dir im Fall von Laura die Frage stellst:

Wenn ich nicht mithalten könnte, was würde ich stattdessen tun?

Faszinierend, oder? Eine simple Frage und alles schaut anders aus.

Entscheidend ist, wer du bist, was du kannst und wie du deine Möglichkeiten nutzt.

Fazit

Laura hat begriffen, dass sie sich durch ihre Selbstzweifel Sorgen um die „ungelegten Eier“ gemacht hat.

Ihre Begeisterungsfähigkeit hat sie wiedererlangt. Heute kann der „wilde Adler“ wieder in Freiheit fliegen.

Wenn Zweifel aufkommen, ordnet sie diese mit der Affektbilanz ein und fokussiert sich auf die Möglichkeiten. Manchmal macht sie auch den Kopfstand.

Ihre Befürchtungen haben sich übrigens nicht bestätigt. Die gab es nur in ihrem Kopf.

Was heisst das für dich?

Mut besteht nicht darin, dass man die Gefahr blind übersieht, sondern darin, dass man sie sehend überwindet. – Jean Paul

Was machst du, wenn dich Selbstzweifel plagen und dich der Mut verlässt? Hinterlasse mir deine Strategie als Kommentar.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.
PS: Und die Selbstzweifel sind dann auch Geschichte.